Digital Humanities-Fundstück

Manchmal kann ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen: In der Schweiz wurde jüngst eine Stelle inseriert für etwas, das ich super sinnvoll finde: Eine Nationale Infrastruktur, hier für digitale Editionen. Ich habe das mal ein „geisteswissenschaftliches Heroku“ genannt (finde ich auch immer noch wichtig).

Warum ich schmunzle? Weil’s eine krasse Nischen-Ausschreibung ist, wahrscheinlich maßgeschneidert auf eine bestimmte Person.

Fangen wir mal an: Jemand mit geisteswissenschaftlichem Abschluss wird gesucht (gibt’s viele), oder ein BA in angewandter Mathematik. Die Person soll aber auch funktionale Programmierung können und aktiv programmieren.

Geht noch weiter: Soll ein Produkt in und auswendig kennen, was auf Google jetzt nicht gerade die Flut an Treffern macht und in einer Programmiersprache (Scala) geschrieben ist, die auf den gängigen Indizes kaum eine Rolle spielt (knapp 1% der Suche nach Tutorials betrifft Scala, aber im TIOBE nicht mal auftaucht und bei github den zweifelhaften Ruhm erntet, in der Verbreitung zwar nur den 19. Rang einzunehmen, bei den Issues pro Repository aber auf Platz drei liegt: Übersetzt heißt das – nicht weit verbreitet, aber negativ gesprochen hohe Fehlerhäufigkeit, positiv gesprochen eine hohe Fehlerberichtsquote der Nutzer. Ergo: Nische).

Die Rolle, die beschrieben wird, hat viel mit Software-Architektur zu tun. Sie verlangt Einblick, Know-How, Weitblick, Kompetenz.

Daher: Befristet auf ein Jahr, 55-65% der Vollzeitbeschäftigung. Die Nationale Infrastruktur für die digitalen Editionen in der Schweiz entsteht also faktisch an 164 Arbeitstagen. Abzüglich tariflichem Urlaubsanspruch.

Wenn man schon kein Geld für Personal hat, warum macht man denn eine nationale Infrastruktur nicht in irgendeiner Feld-Wald-und-Wiesen-Sprache? PHP? Ruby/Rails? Python? Da könnte man wenigstens auf eine Community hoffen, ein bisschen Open-Source aus jeder Einrichtung, die das Ding nutzt. So wird wahrscheinlich das Lebenswerk oder die Nische einer oder weniger Personen eher kläglich alimentiert.

Ich bitte darum, mich in 2, 5 und 10 Jahren zu erinnern, was aus Knora geworden ist – und ganz ehrlich: Ich würde mir sehr wünschen, dann als Nörgler und Stänkerer entlarvt zu werden. Aber irgendwie glaube ich nicht daran…

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