Da schlummert was im Archiv

Gerade macht ein netter Artikel auf dem Aktenkunde-Blog die Runde und ganz ehrlich: Wunderbar spitz formulierter Beitrag, den es zu lesen lohnt. Es geht um die Überlegung, welchen Unterschied es wohl macht, welches Wort denn nun als Randnotiz geschrieben und unterstrichen wurde. Eine digitale Edition liefert hier den Beweis, dass schon immer da war, was für manch einen Experten früher nicht dagewesen zu sein scheint. Zumindest stellte es sich mal anders dar. Und dann fiel mir David Kriesel wieder ein, der am 28.12.2014 auf dem 31c3 einen tollen Vortrag (Video auf media.ccc.de – oder youtube)mit einer katastrophalen Botschaft gehalten hatte (sein Blogpost hier)Die Botschaft ist für Historikerinnen (kleines i, weil ich mich im alternierenden generischen Maskulinum und Femininum üben will 😉 ) alarmierend: Die Xerox Workstations, mit denen an allen Orten der Papier-Schriftverkehr digitalisiert und archiviert wird, führen selbst auf der nahezu „verlustfreien“ High-Quality-Einstellung ein Pattern Matching durch, das anfällig ist für „False Positives“, und das heißt konkret: Buchstaben und Zahlen auf Archivierungsscans können potenziell „falsch“ sein. Ich will nicht spoilern, aber ganz im Ernst: Fast überall in der Bürokratie stehen solchen Maschinen zur Digitalisierung allen Schriftverkehrs rum, das papierne Original wird gerne direkt entsorgt, wenn irgendwer der digitalen Form beschieden hat, dass sie als Archivierung geeignet ist. Und das ist einfach so richtig gruselig für das, was da auf die nächste Generation Zeithistoriker zukommt.

 

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