Vom Historiker zum Salesforce-Architekten…

Das ging schnell rum: Inzwischen ist es knapp ein Jahr her, dass ich das Georg-Eckert-Institut. Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung hinter mir gelassen habe. Und ich bin mit der Entscheidung immer noch sehr glücklich, auch wenn ich mit Herzblut als Historiker und Grenzgänger zwischen IT und Geisteswissenschaft gearbeitet habe. 

Einer der Gründe ist sicherlich, dass das Ökosystem Salesforce in vielerlei Hinsicht eine sehr lohnenswerte und dankbare Plattform darstellt: Selbst als Quereinsteiger kann man schnell sehr komplexe Aufgaben lösen, die Lernkurve ist enorm steil und die Entwicklungsumgebungen gerade nicht frustrierend genug, um die Lust nicht zu verlieren. Der wichtigste Faktor ist aber eine Entwickler- und Evangelistenszene, die ihresgleichen sucht: Einer derjenigen, die mich am meisten beeinflusst haben, ist der großartige David Liu, der sich völlig selbstlos immer wieder selbst übertrifft, wenn es darum geht, Programmieren verständlich zu erklären – ein absolutes Idol, und nach dem ich meine fünfte, sechste und siebte erfolgreiche Zertifizierung bestanden habe, habe ich ihm meine Geschichte berichtet (hier), was David (der im echten Leben Technical Architect bei Google ist) dazu bewegte, mich bei seinem Gastauftritt im Code Coverage Podcast zu erwähnen.

Kurzum: Es gibt relativ wenig Grund für mich, zurückzuschauen. Das Histocamp vor wenigen Tagen, bei dem ich leider nicht dabei sein konnte, ist überhaupt das erste Mal gewesen, wo ich meine „alte“ Szene vermisst habe. Gleichzeitig finde ich die Rahmenbedingungen in der Wissenschaft umso bedrückender, je weiter ich mich von ihr entferne. Die Normalität, mit der die Geisteswissenschaften (nur die kenne ich aus eigener Anschauung) kluge, talentierte Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen unterbringt (nicht selten mit Teilzeitbezahlung oder gar Stipendien für volle Arbeit) und irgendwann schulterzuckend „verliert“, richtet meines Erachtens nicht zu knapp Schaden für die jeweiligen Fächer an. Leider wird man kaum wahrnehmen, wer alles auf der Strecke geblieben ist (und damit meine ich nicht mich, sondern zahlreiche deutlich talentiertere und klügere Köpfe aus dem Ex-KollegInnnenkreis, die inzwischen auch nicht mehr hauptsächlich die Wissenschaft bereichern.

Über meinen neuen Weg ist das Blog ein wenig eingeschlafen – es war einfach zu viel zu tun, um die Serie über relationale Datenbanken weiter zu schreiben. Immerhin: @derguenther hat seine Masterarbeit trotzdem  erfolgreich hinter sich gebracht, und das ist schon fein, weil der Christian Günther einer ist, der offen und interessiert jedes Stöckchen aufnimmt – irgendwie so stelle ich mir moderne Historiker vor – wenn sie nicht gerade Software bauen 😉

Ich will jedenfalls in Zukunft versuchen, mein Blog hier für so eine Art Grenzgang zu nutzen: In Deutsch gibt es wenige gute Ressourcen zur Salesforce-Platform, also werde ich mal versuchen, ein bisschen von meinem Wissen zu teilen. Und vielleicht gelingt es mir ja auch, noch ein bisschen von meinem Know-How in meine „alte“ Szene zurückzuspielen – das Winzen-Experiment wird da hoffentlich nicht das einzige dieser Art bleiben.

Für alle, die gerne den Originaltext, den ich für Davids Blog geschrieben habe, noch lesen wollen: http://www.sfdc99.com/2015/09/05/historian-turned-salesforce-architect-in-half-a-year/

Ansonsten – bitte dran bleiben: Das nächste Kapitel wird Zahlungsabwicklung in Salesforce, weil’s mir gerade unter den Nägeln brennt, aber es kommen bestimmt auch wieder leichter konsumierbare Zeiten 🙂 Salesforce-Artikel, die international relevant sind, kommen künftig in Englisch, ansonsten will ich gerne bei Deutsch bleiben, damit die Idee, auch in die deutsche Salesforce Dev/Admin-Szene etwas zu verschenken und an der deutschen Historiker-/Digital Humanties-Szene dran zu bleiben, irgendwie lebendig bleibt.

 

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